Fußball

PSG kämpft die Verachtung wegDie Reaktion des FC Bayern auf das Wutspiel ist bemerkenswert

07.05.2026, 06:34 Uhr
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Der FC Bayern verpasst das Finale der Champions League auf dramatische Weise. Nach dem Sensationsspiel in Paris finden die Münchner vor eigenem Publikum nicht zur besten Form. Sie hadern mit dem Schiri - und zeigen Größe.

Trainer Vincent Kompany wütet am Spielfeldrand. Er kann nicht fassen, was er da mit ansehen muss. Paris St. Germain bekommt im Mittelfeld, nahe der Seitenauslinie, einen Freistoß zugesprochen. Dabei hat doch Nuno Mendes, der Außenverteidiger der Franzosen, den Ball klar mit der Hand gespielt! Und das hätte Folgen gehabt. Spielentscheidende. Die Münchner liegen im Halbfinal-Rückspiel der Champions League bereits mit 0:1 hinten, in Summe gar mit 4:6. Sie brauchten Tore. Mindestens zwei, um PSG in die Verlängerung zu zwingen.

Ein verdammt schwieriges Vorhaben gegen den Titelverteidiger, gegen die derzeit wohl beste Mannschaft der Welt. Es wäre ein ungleich einfacheres gewesen, hätte PSG zu zehnt weiter spielen müssen, für mindestens eine Stunde. Doch Mendes sieht kein Gelb. Nicht zum zweiten Mal an diesem Abend. Nach acht Minuten war er zum ersten Mal verwarnt worden, weil er gegen Michael Olise zu spät kam. Nun, nach 28 Minuten, wäre die zweite gelbe Karte eigentlich fällig gewesen. Aber Schiedsrichter João Pinheiro pfiff mit Verzögerung ein Handspiel gegen die Münchner. Konrad Laimer soll den Ball illegal berührt haben. Zu erkennen ist das in keinem Moment.

"Es ist ein bisschen Quatsch, ein bisschen Blödsinn"

Weiter geht's. Es bleibt wild. Es wird gar noch wilder. Der Rauch der Bayern-Wut hat sich noch nicht verzogen, da schießt Vitinha seinem Teamkollegen João Neves im eigenen Strafraum den Ball an die ausgestreckte Hand. Bei einem Befreiungsschlag. Elfmeter! Nein! Aber warum eigentlich? Wegen der Teammate-to-Teammate-Regel. Nie gehört? Aber so ist es eben. Wird nicht gepfiffen, so etwas. Fußball ist einfach viel zu kompliziert geworden. "Ob das jetzt vom eigenen Spieler kommt oder nicht - es ist ein bisschen Quatsch, ein bisschen Blödsinn", befand Kompany. Was hat man mittlerweile nicht schon alles gelernt über die Regeln dieses Spiels, die früher so einfach schienen. Von "Kids Mistake" bis zur Teammate-Regel ist alles möglich. Nur nicht durchsichtig. Nicht stringent.

Schema: FC Bayern - Paris Saint-Germain 1:1 (0:1)

Tore: 0:1 Dembélé (3.), 1:1 Kane (90.+4)

München: Neuer - Stanisic (67. Davies), Upamecano (85. Karl), Tah (68. Kim), Laimer - Kimmich, Pavlovic - Olise, Musiala (79. Jackson), Díaz - Kane. - Trainer: Kompany

Paris:Safonow - Zaire-Emery, Marquinhos, Pacho, Nuno Mendes (85. Mayulu) - Fabián (76. Beraldo), Vitinha, Joao Neves - Doué (76. Hernandéz), Dembélé (65. Barcola), Kwarazchelia. Trainer: Enrique

Schiedsrichter:João Pinheiro (Portugal)

Gelbe Karten: Díaz, Tah - Nuno Mendes, Kwarazchelia, Marquinhos

Zuschauer:75.000 (ausverkauft)

Dass die Bayern diesen Dschungel aus Wirrwarr-Entscheidungen nicht hauptverantwortlich für das Aus gegen Paris machten, war ein bemerkenswert großer Zug. Kompany ertrug den bitteren Abend mit großer Würde. Er sah einen Gegner, der die Münchner auf erstaunliche Weise hemmte. Vor allem nach der dritten Minute, in der Ousmane Dembélé den Ball furios ins Tor von Manuel Neuer gedroschen hatte. Chwitscha Kwarazchelia hatte sich nach einem Doppelpass mit Fabián Ruiz bemerkenswert schnell freigestohlen und den Ball perfekt für den eifrigen Weltfußballer aufgelegt. Der erledigte die Dinge, wie es ein Weltfußballer tun sollte: kompromisslos.

PSG überrascht mit neuer Herangehensweise

Der rote Teppich für ein erneutes Spektakel war ausgerollt. Die Bayern mussten Tore schießen, sie mussten den Druck erhöhen, sie mussten PSG so Platz lassen. Alles war noch offensiver vorbereitet als vor einer Woche, als sich die beiden besten Teams der Welt ein Jahrhundertspiel um die Ohren gepfeffert hatten. Aber PSG, das in den Zwischentagen quasi geschworen hatte, nicht von seiner gnadenlosen Spielidee abzurücken, zog sich tief zurück. Kein atemberaubendes Pressing, keine Überfallmagie. Dafür Blaumann an und malochen. "Wir haben allen gezeigt, dass wir schönen Fußball spielen, aber auch kämpfen und leiden können", freute sich PSG-Coach Luis Enrique. "Wir haben gezeigt, dass wir auch im tiefen Block verteidigen können. Eigentlich haben wir dazu nicht die Spieler, aber weil wir es mussten, haben wir es dennoch geschafft. Das ist unsere große Stärke."

Und an dieser prallten die Münchner ab, gingen zu Boden und flogen nach einer mitreißenden Saison aus dem Wettbewerb. "Unsere erste Halbzeit war gut, vom Gefühl her waren wir die bessere Mannschaft und sind oft in die Räume gekommen, wo wir gefährlich sind", befand Kompany. "PSG hat die Flanken sehr gut verteidigt. Sie waren sehr aktiv. Obwohl wir in den gefährlichen Situation waren, haben sie dafür gesorgt, dass wir nicht zu den Abschlüssen gekommen sind. Wir müssen respektieren, dass wir gegen einen großen Gegner gespielt haben."

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Ein milliardenschweres PSG-Dickicht

Michael Olise verzweifelte auf der rechten Seite, Luis Diaz auf der linken. Und Harry Kane fand im Zentrum fast nur PSG-Beine. Es war ein milliardenschweres Dickicht. Kein Durchkommen. Man kann Paris St. Germain nicht mögen, weil der Erfolg so teuer erkauft ist. Weil dieser Verein für all das steht, was den modernen Fußball so abscheulich macht. Man kann diese Mannschaft aber trotzdem auch einfach mögen, weil sie anders als viele Pariser Versuche zuvor nicht von divenhaften Super-Egos gehemmt wird, sondern weil sie füreinander da sind. Weil sie einen wahnsinnigen Spaß am Fußball vermitteln und sich gegenseitig unterstützen. Das waren schon bemerkenswerte Bilder, als die ganze Bank in den Schlussminuten immer wieder aufsprang und die Spieler auf dem Feld pushte. Da war der ausgewechselte Dembélé dabei, der der lauteste Motivator war.

Bis zur 94. Minute hielt der Pariser Beton, dann schlug Harry Kane das erste Loch in die Mauer. Zu spät. Sie fiel nicht mehr. Dafür aber die Nachspielzeit zu kurz aus, wie die Münchner fanden. Zu viele Unterbrechungen hatten die fünf Minuten nicht mit echter Spielzeit gefüllt, die doch eigentlich angezeigt waren. "Wir waren heute keine Killer in der Offensive. Dieser Schlüsselmoment im Spiel hat einfach gefehlt. Wir waren da, aber vorne in der Box von PSG war das nicht klar genug", kritisierte der Münchner Torhüter bei DAZN.

Nächstes Jahr, nächster Anlauf. Noch einmal mit Neuer? Angeblich soll der Torwart ja intern bereits entschieden haben, weitermachen zu wollen. So berichten es seit Tagen mehrere Medien. Was hingegen bereits Fakt ist: Kompany bleibt und greift an: "Die Mannschaft kennt mich. Ich habe nicht diese Fähigkeit, lange enttäuscht zu sein. Ich bin schon jetzt motiviert für die nächste Saison." Viertelfinale 2025, Halbfinale 2026, Finale 2027? Der Weg scheint klar. "Ich bin der Überzeugung, dass wir es nächste Saison schaffen, noch mal einen Schritt zu machen. Das ist auch mein Job", sagte Kompany.

Auch Nationalmannschafts-Kapitän Joshua Kimmich glaubt fest daran, dass die internationale Reise irgendwann im Königsklassen-Triumph endet. "Ich glaube nicht, dass uns das irgendwie umwerfen oder vom Weg abbringen wird. Ich sitze da in der Kabine und habe das Gefühl, dass ich mit dieser Mannschaft die Champions League noch gewinnen kann. In dieser Saison nicht, darum ist die Enttäuschung groß", sagte der 31-Jährige. "Ich habe Vertrauen in die Mannschaft, in den Trainer, dass da wirklich etwas zusammenwächst. Es war letzte Saison schon ganz gut. In dieser Saison waren wir ein Stück weit näher dran gegen ein sehr starkes Paris." Für das geht es im Finale nun gegen den FC Arsenal. Die nächste Monster-Aufgabe. Die Engländer waren das beste Team der Ligaphase und haben in dieser Champions-League-Saison noch keines ihrer bislang 14 Spiele verloren.

Quelle: ntv.de, tno

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